Zivilrecht, sonstiges

Stichwort: Sportunfall
Speziell : Schadensersatz
Wurde ein Spieler bei einer Wettkampfsportart gefoult und dadurch verletzt und kann er einen groben Regelverstoß beweisen, so steht ihm ein Schadensersatz- und Schmerzensgeldanspruch zu.

Sachverhalt : Der Kläger wurde vom Beklagten während eines Handballspiels gefoult. Wegen der erlittenen Verletzungen klagte er auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Seine klage scheiterte hier jedoch daran, daß er die entsprechenden Tatsachen nicht beweisen konnte.

Entscheidungsgründe : Der Sachverhalt, welcher vom Kläger vorgetragen wurde verpflichtet den Beklagten zwar grundsätzlich zum Schadensersatz. Der Kläger konnte vorliegend das behauptete, grobe Foul jedoch nicht beweisen.

Der vom Kläger geschilderte Geschehensablauf kann einen groben Regelverstoß nach Nr. 8 der Internationalen Hallenhandballregelung darstellen. In Nr. 8 sind Regeln enthalten, die zwar in erster Linie dazu dienen sollen, den Spielfluß sowie die Chancengleichheit zu gewährleisten. Sie sollen aber auch das körperliche Element mit dem notwendigen Schutz der Spieler in Einklang bringen und Verletzungen verhindern ( BGH, NJW'75, 109 (111) ).

Wird eine solche Wettkampfregel, die zum Schutz von Spielern bestimmt ist grob verletzt, so ist auch für Wettkampfsportarten anerkannt, daß die Voraussetzungen des § 823 BGB - unerlaubte Handlung - vorliegt.

Allerdings ist nicht in jedem geringfügigen Verstoß gegen Spielregeln bereits ein haftungsrelevantes, fahrlässiges Verhalten zu sehen. Die Haftung ist u.a. dann zu verneinen, wenn der betreffende Spieler zwar eine, dem Schutz des Spielers dienende Regel geringfügig verletzt hat, dies jedoch aus Spieleifer, technischem Versagen, Übermüdung oder ähnlichen Gründen geschehen ist ( BGH, NJW'76, 358 m.zahlr.Hinw. ).

Anders ist die Situation, wenn es trotz regelgerechtem Spiel zu Verletzungen, auch schwerwiegender Art, kommt. Nach der Rechtsprechung des BGH (Anm.: Bundesgerichtshof) nehmen Teilnehmer eines Wettkampfspiels ( z.B. Fußball ) dies nämlich in Kauf ( BGH, siehe oben ).

Vorliegend konnte in der Beweisaufnahme nicht geklärt werden, ob die Verletzung durch ein grobes Foul verursacht wurde. Dies geht zu Lasten des Klägers, denn die Beweislast für dessen Vorliegen trifft den Verletzten. (Anm.: Beweislast bedeutet, der Beweisbelastete - hier der Kläger - muß den Beweis für seine Behauptungen erbringen. Kann er dies nicht, wird die betreffende Behauptung als nicht gegeben angesehen. D.h. die Folge des Unbewiesenseins trifft ihn, daher Beweislast.)

OLG Frankfurt, 15 U 195 / 88, NJW-RR'91, 418 ff


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