Zivilrecht, sonstiges

Stichwort: Aufsichtspflichtverletzung
Speziell : elterliche Aufsichtspflicht
Eltern sind nicht verpflichtet, ihre Kinder ständig zu beaufsichtigen, wenn sie in einer fremden Wohnung zu Gast sind.

(Anm.: siehe auch Fall V. 7. 2. )

Sachverhalt : Die beklagten Eltern besuchten mit ihren 3 Kindern ( 3, 5 u. 8 Jahre ) die Kläger in deren Wohnung.

Nachdem zunächst alle zusammen im Wohnzimmer Kaffee getrunken hatten, liefen die Kinder in die Küche um dort zu spielen. Dabei gingen mehrere antike Krüge zu Bruch.

Die Kläger verlangten Schadensersatz.

Das Gericht hat die Haftung der Eltern verneint.

Entscheidungsgründe : Die beklagten Eltern haben ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt.

Das Maß der gebotenen Aufsicht bestimmt sich nach Alter, Eigenart und Charakter des Kindes, ferner nach der Voraussehbarkeit des schädigenden Verhaltens, sowie danach, was den Eltern in der konkreten Situation zugemutet werden kann ( BGH , NJW-RR'87, 1430 ) .

Entscheidend ist, was vernünftige Eltern im konkreten Fall unternehmen müssen, um Schäden Dritter durch ihre Kinder zu verhindern ( BGH, NJW'90, 2553 ) .

Der Umfang der Aufsichtspflicht wird auch von den Umständen geprägt, die zum Schaden geführt haben. Es ist also die Gesamtsituation zu beurteilen, wie sie sich für den Aufsichtspflichtigen und das Kind darstellt, bevor es zum Schaden kam.

Nach Auffassung des Gerichts würde es die Aufsichtspflicht überspannen, wenn von Eltern dreier Kinder verlangt würde, diese in einer Wohnung ständig im Blickfeld zu haben und beaufsichtigen zu müssen. Die Kinder haben sich vorliegend altersgerecht verhalten, als sie nach dem Kaffeetrinken im Wohnzimmer und in der Küche gespielt haben. Wenn die Kläger damit nicht einverstanden gewesen sein sollten, so hätten sie dies mitteilen oder ggf. die Küche abschließen müssen. Relevant ist vorliegend auch, daß die Beklagten nicht damit rechnen mußten, daß in der Küche wertvolle Krüge, für Kinder erreichbar, aufbewahrt wurden.

Nach der Gesamtsituation haben die Beklagten daher ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt. Ein Anspruch nach § 832 BGB ist somit nicht gegeben

AG Augsburg, 3 C 5654 / 90, ZfS'92, 150


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