Versicherungsrecht

Stichwort: Kaskoschaden
Speziell : Verlust d. Versicherungsschutzes bei grob fahrlässigem Verhalten ( hier : Rauchen im Auto )


Grob fahrlässig ist jedes Verhalten eines Kraftfahrers, welches ihn derart ablenkt, daß er das Verkehrsgeschehen nicht mehr übersieht und falsch reagiert bzw. infolge der Ablenkung die Herrschaft über sein Fahrzeug verliert.

Dies gilt insbesondere für Rauchen am Steuer, wenn dadurch die im Straßenverkehr erforderliche Sorgfalt nicht mehr gewährleistet ist und ein Unfall verursacht wird.

Sachverhalt : Der Kläger befuhr die A 6. Als er versuchte, sich eine Zigarette anzuzünden geriet er auf den linken Seitenstreifen. Bei dem Versuch, den Pkw auf die Fahrbahn zurückzusteuern prallte er dann gegen die rechte Leitplanke. Der Pkw wurde erheblich beschädigt.

Die beklagte Versicherung, bei der der Wagen vollkaskoversichert ist, lehnt die Regulierung des Fahrzeugschadens ab, da der Kläger sich grob fahrlässig verhalten habe. Der Kläger macht geltend, er habe den Unfall nur leicht fahrlässig verursacht, da er beim Anzünden der Zigarette die Fahrbahn nicht aus den Augen verloren habe.

Seine Klage auf Erstattung seines Fahrzeugschadens wurde abgewiesen.

Entscheidungsgründe : Im Anzünden der Zigarette an sich liegt nicht der eigentliche Vorwurf, den man dem Kläger machen muß.

Vielmehr wird als grob fahrlässiges Verhalten eines Kraftfahrers angesehen, wenn er sich durch Rauchen ,der Suche nach heruntergefallenen Gegenständen u.ä. derart vom Verkehrsgeschehen ablenken läßt, daß er die Übersicht verliert, es dadurch zu Fehlreaktionen kommt oder er die Herrschaft über den Pkw verliert.

So wird beispielsweise verlangt, daß Raucher Vorkehrungen treffen müssen, damit keine brennende Zigarette oder Glut herunterfällt , dadurch eine unkontrollierbare Situation geschaffen wird und der Fahrer nur noch reflexartig reagieren kann ( vgl. OLG Karlsruhe, VersR'93, 1096 ).

Diese strengen Grundsätze gelten - abgesehen vom Rauchen - für alle Handlungen, die den Fahrer vom Verkehrsgeschehen ablenken, wie z.B. nach einer heruntergefallenen Musikkassette suchen .

Hieran gemessen hat der Kläger den Unfall grob fahrlässig verursacht. er macht zwar geltend, daß er die Straße ständig im Auge behalten habe. Wäre dies jedoch der Fall gewesen, so hätte er bei der relativ freien Autobahn und den guten Witterungsverhältnissen nicht von der Fahrbahn abkommen dürfen. Durch das Unfallgeschehen wird deutlich, daß es der Kläger in grob fahrlässiger Weise an der gebotenen Aufmerksamkeit fehlen ließ.

OLG Frankfurt, 23 U 108 / 94, VersR'96, 446 ff


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