Reiserecht

Stichwort: Haftung d. Veranstalters für Sicherheit öffentlicher Wege
Speziell : Haftung bei Sturz auf Hafentreppe
Einen Reiseveranstalter treffen keine Haftungsfolgen, wenn der Teilnehmer einer Kreuzfahrt auf einer Hafentreppe stürzt.

Sachverhalt : Der 79-jährige Kläger buchte bei dem beklagten Reiseveranstalter eine zweiwöchige Nilfahrt.

Beim Verlassen des Landungsstegs, an welchem das Nilschiff vertäut war, stürzte er von einer schmalen, steilen Hafentreppe. Die Treppe hatte keinen Handlauf. Infolge des Sturzes zog sich der Kläger Verletzungen an Armen und Beinen zu. Er behauptet, daß er eine Woche lang nur unter Schmerzen an der Reise teilnehmen konnte. Ferner habe er aufgrund dieser Schmerzen die Ausgrabungsstätten nicht besichtigen können. Der fehlende Handlauf sei ursächlich für den Sturz gewesen.

Der Kläger verlangt Minderung des Reisepreises und Schmerzensgeld. Die Klage hatte keinen Erfolg.

Entscheidungsgründe : Der Kläger hat keinen Anspruch gegen den Reiseveranstalter.

Ein Reisemangel kann zwar auch darin liegen, daß von Einrichtungen eines Leistungsträgers des Reiseveranstalters (Anm.: z.B. das Hotel ) eine Gefahr für die Sicherheit des Reisenden ausgeht ( siehe Fall VIII. 3. 2. ).

Vorliegend hat sich jedoch eine Gefahr verwirklicht, für die keine Einstandspflicht des Reiseveranstalters besteht. Dem Beklagten oblag es zwar, ein möglichst gefahrloses Betreten des Schiffes zu ermöglichen. Eine Verletzung der daraus resultierenden Sorgfalts- bzw. Verkehrssicherungspflicht ist vorliegend jedoch nicht gegeben. Auf die Bauart der zur öffentlichen Hafenanlage gehörenden Treppe hatte der Beklagte ebensowenig Einfluß wie auf die sonstigen, öffentlichen Wege und Plätze in Ägypten. Er war nicht verpflichtet, die Anpassung der Treppe an deutsche Sicherheitsstandards zu veranlassen.

Auch eine Verletzung der Pflicht, die Reisenden seitens der örtlichen Reiseleitung bzw. der Schiffsbesatzung auf die Gefahren der Treppe hinzuweisen, ist dem Beklagten nicht vorzuhalten. Die betreffende Treppe war der Kläger bei einem, einige Tage zurückliegenden Stop bereits einmal hinauf- und hinabgestiegen. Er war daher ausreichend auf die Gefahren der Treppe aufmerksam gemacht worden.

Es besteht vorliegend auch kein Anlaß, die Treppe durch Besatzungsmitglieder absichern zu lassen, da es bislang an dieser Stelle zu keinem ähnlichen Unfall gekommen war. Ein erwachsener und geistig rüstiger Mensch ist vielmehr gehalten, selbst Vorsorge gegen ihm bekannte Gefahren zu treffen. So hätte der Kläger beispielsweise um Hilfe nachsuchen können.

LG Bonn, 2 S 60 / 95, NJW-RR'96, 374


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